Historie des Hauses

Dammstraße 14 in Lemgo-Brake

Ursprünglich war die Dammstraße ein Damm zwischen den beiden großen Braker Fischteichen, nämlich dem „Oberen Teich“ zwischen den heutigen Straßen Braker Mitte und Bahnhofstraße und dem „Schäferteich“ zwischen Damm- und Schlossstraße. Der „Schäferteich“ wurde in früheren Zeiten gerne von den vornehmen Damen des Schlosses Brake für kleine Touren mit dem Ruderboot genutzt.

Ab etwa 1710 entstanden an diesem Damm die ersten Häuser, die damals in der Reihenfolge ihrer Erbauung mit Kolonat-Nummern versehen wurden. Das Haus, in dem sich die „Ferienwohnung am Braker Schloss“ befindet, wurde im Jahr 1845 mit der Adressenbezeichnung Kolonat Nr. 93 vom Maurer Rehme für seine Familie erbaut. Er verwendete für den Bau die Bruchsteine, die durch den Aushub des Braker Felsenkellers zur Verfügung standen. Der Felsenkeller diente später als Kühlkeller für das in der Brauerei des Schlosses Brake gebraute Bier.

Aus der Zeit der Erbauung des Hauses stammen noch die alten Holztüren mit den historischen Kastenschlössern. Die Holzfußböden sind nicht mehr original, sie mussten im Laufe der Jahre bereits mehrfach ausgewechselt werden.

Seit der Erbauung diente das Haus verschiedenen Zwecken: Um 1900 und noch lange danach wurde zum Beispiel im Obergeschoss eine der damals sehr verbreiteten Zigarrenmanufakturen betrieben, während man im Erdgeschoss gleichzeitig in einem Kolonialwarenladen Grundnahrungsmittel, Haushaltsbedarf und begehrte Erzeugnisse aus Übersee wie Zucker, Kaffee, Tee, Gewürze und Tabak kaufen konnte. Aus dieser Zeit stammt noch der ovale Ausschnitt in der Tür zwischen dem Schlafzimmer und dem Bad der Ferienwohnung. In diesem Ausschnitt befand sich damals eine Glasscheibe, die den Blick vom Büro (jetzt Bad) in den zur Straße gelegenen Ladenraum ermöglichte.

Historische Ansicht Dammstr. 14 in Lemgo Brake

Auf diesem Foto aus der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts sieht man die Arbeiterinnen der Zigarrenmanufaktur aus den Fenstern im Obergeschoss schauen, während auf der Eingangstreppe der damalige Eigentümer des Hauses und gleichzeitige Inhaber des Kolonialwarenladens August Kuhlemann mit seiner Frau Conradine und seinem jüngsten Sohn Hermann steht. Die tiefgezogenen, holzverzierten Schaufenster des Ladens, die auf dem Foto zu sehen sind, wurden in den 1950er Jahren zurückgebaut, da das Haus zu der Zeit nur noch Wohnzwecken diente.

Den zweiten Weltkrieg überstand das Haus nicht ganz unbeschadet: Die Amerikaner versuchten damals, vom Liemergrund aus durch Granatenbeschuss den damals noch aktiven Braker Bahnhof zu zerstören, was ihnen jedoch nicht gelang. Eine der Granaten traf jedoch das Dach des Hauses Dammstr. 14. Der Teil des Dachstuhls, der nach dem Granateneinschlag repariert werden musste, ist heute noch deutlich zu erkennen.

Nach dem Krieg wurden jedem Haus, das noch nutzbar war, zwangsweise Flüchtlinge aus dem Osten zugewiesen. Die Hauseigentümer mussten sich mit ein bis zwei Zimmern begnügen, damit möglichst viele Flüchtlinge Platz fanden. Im Haus Dammstr. 14 waren damals zeitweise fünf Familien untergebracht. Erst Jahre später konnten die Hauseigentümer wieder uneingeschränkt über ihr Haus verfügen.

Im Jahre 1984 kauften die jetzigen Eigentümer das Haus Dammstr. 14 von August Kuhlemanns beiden Enkelsöhnen und renovierten es nach und nach über viele Jahre. Die Wohnung im Erdgeschoss wurde seitdem zuerst als normale Mietwohnung – zum Beispiel an Studenten der nahe gelegenen Hochschule Ostwestfalen-Lippe – vermietet. Seit dem Jahr 2002 wird die Wohnung als Ferienwohnung genutzt. Die Mehrheit der Gäste stammt aus Deutschland, es sind jedoch auch viele internationale Gäste dabei. Eindeutig die weiteste Anreise hatten die Gäste aus Australien und Taiwan.